"Kehrt um und tut Buße"

VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 08.05.2009

Xanten (RPO). Alt-Bürgermeister Hans Seber vertrat im Rat nicht nur das Anliegen des Bürgerbegehrens zum Markt, sondern mahnte fürdie Innenstadtplanung konzeptionelles Denken an. Seine Einschätzung: "Sie planen punktuell."

Hans Seber (78) hatte keine Schwierigkeiten mit dem Wiedererkennen im Ratssaal – auch nicht nach 30 Jahren, als er noch mit Stadtdirektor Heinz Trauten dem Rat vorstand. Seber hatte die Lacher auf seiner Seite, als er feststellte: "Die meisten Gesichter kenne ich noch von damals. Sie sind nicht schöner geworden, sondern älter."

Was auch erklärte, warum der Jurist dem Rat den Spiegel vorhielt. "Ich möchte Sie aus der Erstarrung lösen." Mit Hinweis auf die im Rat und seinen Ausschüssen üblichen persönlich motivierten Verbalattacken bezweifelte Seber, "ob Sie wissen, welch katastrophales Bild Sie in der Öffentlichkeit abgeben". Und: "Sie müssen reden, hören was der andere sagt und wissen, über was Sie reden." Dies gelte auch für das Bürgerbegehren, deren Initiatoren "keine Störer oder Verweigerer eigener Vorschläge sind".

 


Info

Stadtgeschichte

Hans Seber (CDU) war von 1968 bis 1979 Bürgermeister der Stadt Xanten. Dem Stadtrat gehörte der Jurist von 1964 bis zu seinem Ausscheiden 1979 an.

Bürgermeister-Nachfolger von Hans Seber wurde mit Hilfe der FBI unter Herbert Dissen Norbert Derith (SPD).

Planung und der damals begonnene Ausbau der Fußgängerzone gegen den Widerstand der Bürger ließen Hans Seber als Bürgermeister stolpern. Die SPD war gegen diese Veränderung der Stadt.

Den Bau der heute umstrittenen öffentlichen Toilette auf dem Markt setzte damals Herbert Dissen gegen den Widerstand der damaligen Stadtplanerin Marlene Zlonicky durch.


Sich dem Termindruck entziehen

Der Alt-Bürgermeister bedankte sich bei Bürgermeister Christian Strunk für dessen Beschlussvorlage zur Anerkennung des Bürgerbegehrens ("wir hoffen, dass der Rat dem Beschluss zustimmt" – was, wie gestern berichtet, geschah) und bedauerte den Verwaltungschef zugleich, weil er sich in einer Zwickmühle befindet. "Sie stehen unter hohem Zeitdruck, weil es eine Terminierung für die Fördermittel (30. Juni – Anm. d. Red.) gibt.

Diesem Druck müsse sich die Stadt entziehen und – anstatt punktuell für den Markt – konzeptionell für die Innenstadt planen. Dazu gehört für ihn die Untersuchung, welche Funktion ein historischer Markt haben sollte.

Infrage stellt er auch die Forderung, den Markt autofrei zu gestalten. "Warum eigentlich ? Reicht nicht eine andere Parkordnung aus ? Einkäufer könnten kostenfreie Kurzparkzeiten haben."

"Großartig" nannte Seber den Vorschlag, auf dem Großen Markt ein Labyrinth anzulegen – "vielleicht zu großartig ?"

"Keine Wortklauberei"

Kein Verständnis zeigt er dafür, dass es nun bei der Gestaltungsdiskussion nach dem Bürgerbegehren zu Wortklaubereien kommen könnte – wie beispielsweise eine "bespielbare Wasserfläche" an der Marktpumpe, obwohl Wasserspiele nach dem Bürgerbegehren ausgeschlossen sind. Dies gelte auch für die Diskussion um die massiven Bühnenaufbauten. Wenn jetzt ein Bühnensockel auf der Anlage des öffentlichen WC nicht als Bühnenaufbau interpretiert werde, gehöre dies zu den Wortklaubereien. Seber: "Erkennen Sie den Sinn des Bürgerbegehrens und hängen Sie nicht an Wortformulierungen." Mit dem Aufruf "Kehrt um, tut Buße !" (Johannes der Täufer) zitierte Hans Seber zum Abschluss aus dem Matthäus-Evangelium.

Hans Seber erhielt für seine Rede den Beifall der Opposition, den er in seiner aktiven Zeit als Bürgermeister für die CDU nie erhalten hat.


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