Kein Seefisch aus dem Bioenergiezentrum

VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 17.06.2011 - 09:53

Xanten (RPO). Xanten Das auf der ehemaligen Nato-Raketenstation in Xanten-Ursel geplante Bioenergiezentrum (BEX) soll im aktuellen Verfahren für den Bebauungsplan verschlankt und auf die Erzeugung von Strom und Wärme beschränkt werden.

Bis in den späten Donnerstagabend tauschten die Vertreter der Landwirte, die das BEX realisieren wollen, sowie die Sprecher der Anlagengegner mit zahlreichen Bürgern im Xantener Ratssaal die Argumente für und gegen die Planung auf der Nato-Brache aus. Gleichzeitig wurde die Möglichkeit vorgestellt, dass sich Xantener Bürger in einer Genossenschaft unter dem Dach des nordrhein-westfälischen Genossenschaftsverbandes zusammenschließen können.

Diese Genossenschaft könne sich am Leitungsnetz vom Anlagenstandort bis in die Stadt beteiligen und kostengünstige Wärmeenergie vom BEX beziehen. Die bis dato als Anlagenkomponente eingeplante Haltung von Seewasserfischen wird aktuell nicht verfolgt. Beabsichtigt ist jetzt der Bau von vier Biogasanlagen für die Strom- und Wärmeerzeugung sowie die Errichtung einer Trocknungshalle. Mit der selber gewählten Verkleinerung der Anlage ziehen die Landwirte die Konsequenz auf dem massiven Protest, der sich seit Anlaufen der Planung im Jahre 2006 in der Stadt formiert hat. Die Fischhaltung gehörte zur ursprünglichen Planung, weil damit die anfallende Abwärme bei der Energieerzeugung ausgenutzt werden sollte. Dieses Nebenprodukt soll jetzt über die Trocknungshalle und für die Einspeisung in ein Fernwärmenetz für Xanten genutzt werden.

Die ehemalige Raketenstation der Nato in Xanten-Ursel ist 12,5 Hektar groß und immer noch mit Straßen, Raketenbunkern und Wachtürmen bebaut. Von diesem Gelände waren ursprünglich 9,5 Hektar für das BEX verplant, das restliche Gelände wird dem Landschafts- und Naturschutz zugerechnet. Der neuer Planungsansatz reduziert die Anlagenfläche aktuell um die Hälfte. Allerdings sollen die 9,5 Hektar Gesamtfläche für zukünftige Entwicklungen nutzbar bleiben. Dafür müssten dann jedoch separate neue Planverfahren eingeleitet werden.

Das unter der Regie des Xantener SPD-Fraktionsvorsitzenden Jürgen Kappel moderierte Forum diskutierte lebhaft engagiert, erbrachte jedoch kaum Annäherung. Kritisiert wird, dass zur Energieerzeugung Mais eingesetzt werden soll. Damit werde die landwirtschaftliche Struktur des Niederrheins nachhaltig verändert und die Artenvielfalt in der Natur weiter dezimiert. Zudem wurden „moralisch-ethische Bedenken gegen den Einsatz von Nahrungsmitteln zur Energiegewinnung“ massiv vorgetragen.

 

Quelle: RP

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